Impressionen der International Animal Rights Conference 2015 in Luxemburg

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Bei der diesjährigen, viertägigen Konferenz in Esch-Sur-Alzette hatten mehrere hundert Teilnehmer_innen, die aus aller Welt angereist waren, nun bereits zum fünften Mal die Gelegenheit, sich auszutauschen, vernetzen und zahlreiche Vorträge und Workshops zu Themen wie Tierrecht, Veganismus oder Aktivismus zu besuchen. Abgerundet wurde all dies von sehr leckerem veganem Essen.

Wie erreiche ich mehr Leute und welche Inhalte will ich eigentlich vermitteln?

Es wurden viele Möglichkeiten aufgezeigt, Menschen für Tierrechte zu interessieren: Neben dem Einsatz von Flyern wurde die Verwendung von audiovisuellen Medien in Fußgängerzonen thematisiert, ebenso Street-Art-Performances oder der Einsatz von Tierkadavern, mit denen man Passant_innen konfrontiert um das Grauen der Tierbenutzungsindustrie zu verdeutlichen. Auch der Einsatz von Online-Video-Kanälen oder Social Media zur Erreichung jüngerer Zielgruppen wurde angesprochen.

In diesem Zusammenhang stellte sich auch immer wieder die Frage, welche Herangehensweise am sinnvollsten ist, wenn man Tierausbeutung beenden möchte. Versucht man eher, Fleischesser_innen schrittweise eine Ernährungsform nahezulegen, die mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger Tiere/Tiersekrete enthält und über diese Verhaltensänderung zu einem späteren Zeitpunkt die dahinterstehenden Werte zu kommunizieren, weil dann die Hemmschwelle zur Gewohnheitsänderung niedriger ist oder konfrontiert man Menschen mit Fakten über Massentierhaltung und Tierbenutzung, die allein schon durch ihre Grausamkeit zu einem Umdenken führen müssten?

Tierrecht = Tierschutz?

Die Szene, die sich für die Beendung von Tierleid einsetzt, ist sehr heterogen. Fast jede_r Veganer_in wird schon mal mit einer/einem anderen Veganer_in eine hitzige Grundsatzdiskussion über eine bestimmte Nuance des Veganismus geführt haben. Für Aktivismus hat dies aber weitreichendere Probleme: Welche Tierrechtsgruppe kooperiert mit welcher, ohne dass Werte missachtet werden? Können Tierrechts- mit Tierschutzorganisationen zusammenarbeiten, ohne ihre Ziele zu verwässern?

Entladen hat sich diese Frage vor allem nach Sebasitan Zöschs Vortrag (die Diskussion ist nicht Teil des Videos). Die Frage hier ist, ob eine Organisation, die von sich selbst sagt, dass sie sich für Veganismus einsetzt, mit einem der führenden deutschen Fleischproduzenten kooperieren kann, um vegetarische Wurst zu promoten, die hauptsächlich aus Ei besteht, da so mehr Individuen für das Produkt sterben (Küken, Hühner) als bei dem vorherigen Fleischprodukt. Durch Kampagnen dieser Art entfällt der VEBU für einige Tierrechtsgruppen als Kooperationspartner, da diese tierethische Grundsätze verletzt sehen.

An Beispielen dieser Art zeigt sich, wie differenziert die Tierrechts- und die Tierschutzszene ist. Daraus ergeben sich sowohl Probleme als auch Perspektiven: Wenn die Bewegung so zersplittert und so kooperationsunfähig ist, wie manchmal dargestellt, ist eine Zusammenarbeit nur sehr bedingt möglich und der Wirkungsradius sehr gering. Auf der anderen Seite sind die Ansätze, Tierrechte oder den Veganismus zu verbreiten so vielseitig, dass verschiedene Zielgruppen angesprochen werden, die durch eine „einheitliche“ Bewegung vielleicht nicht angesprochen würden.

Tierrechte rund um den Globus

Ergänzt durch viele Länderreports aus z.B. Palästina oder Kolumbien wurde deutlich, dass Tierrecht kein „Luxusproblem“ ist, sondern selbst in Krisen- und Kriegsgebieten Menschen dafür eintreten, andere Tiere von menschenverursachtem Leid zu befreien. Wie hierbei einige Beispiele zeigten, endet politische Arbeit von Aktivist_innen oder Journalist_innen häufig tödlich, wie u. a. der Mord an der Journalistin Flor Alba Nuñez vor wenigen Tagen zeigt.

Konferenzmitschnitte

Es gab noch viele weitere Themen auf der Konferenz, die hier nicht alle genannt werden können. Müssen sie auch gar nicht, denn die Talks sind bereits über den Vegan Kanal verfügbar🙂

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